Es ist ein kühler Morgen auf dem Betriebshof. Doch bevor der Schlüssel im Zündschloss gedreht wird und Tonnen von Fracht auf die Autobahn rollen, gibt es noch einiges zu tun. Denn die tägliche LKW-Abfahrtskontrolle ist die Basis für jede sichere Fahrt. Sie schützt Menschenleben, kann das Risiko von Pannen reduzieren und bewahrt Unternehmen vor hohen Reparaturkosten.
Denn LKW-Fahrern ist klar, dass sie mit ihren Fahrzeugen im Schwerlast- oder Verteilerverkehr eine tonnenschwere Verantwortung tragen. Bereits ein schleichender Druckverlust im Reifen, ein gelockerter Spanngurt oder eine defekte Lichtanlage können im Verkehr dramatische Folgen haben. Eine gewissenhafte Prüfung vor Fahrtantritt, die sogenannte LKW-Abfahrtskontrolle, hilft dabei, technische Mängel vor Fahrtantritt zu erkennen. So lassen sich Sicherheitsrisiken und ungeplante Ausfallzeiten reduzieren.
Warum ist die Abfahrtskontrolle beim LKW Pflicht?
Die präventive Überprüfung eines Nutzkraftwagens ist allerdings keine freiwillige Sicherheitsmaßnahme, sondern ergibt sich aus verschiedenen gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorgaben. Fahrer und Fahrzeughalter tragen Verantwortung dafür, dass das Fahrzeug vor Fahrtantritt verkehrs- und betriebssicher ist.
Der Gesetzgeber hat diese Aufgabe an verschiedenen Stellen im Recht fest verankert:
§ 23 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): Wer ein Fahrzeug führt, muss dafür sorgen, dass das Fahrzeug, die Ladung und die Besetzung vorschriftsmäßig sind. Die Verkehrssicherheit darf zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt werden.
DGUV Vorschrift 70 (bisher BGV D29) & DGUV Grundsatz 314-002: Die Berufsgenossenschaften sehen vor, dass das Fahrpersonal sein Fahrzeug vor Beginn jeder Arbeitsschicht auf einen betriebssicheren Zustand hin kontrollieren muss.
§ 31 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO): Auch Fahrzeughalter tragen Verantwortung: Nach § 31 StVZO dürfen sie die Inbetriebnahme eines Fahrzeugs nicht anordnen oder zulassen, wenn ihnen bekannt ist oder bekannt sein muss, dass das Fahrzeug nicht vorschriftsmäßig ist.
Neben diesen Vorgaben für die LKW-Abfahrtskontrolle haben regelmäßige Abfahrtskontrollen auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht Vorteile. Denn wer früh einen Riss im Keilriemen entdeckt, kann notwendige Reparaturen frühzeitig einplanen. So können Abfahrtskontrollen dazu beitragen, ungeplante Ausfälle, zusätzliche Kosten und Verzögerungen zu vermeiden.
Wer ist für die Kontrolle verantwortlich?
Im deutschen Straßenverkehrsrecht tragen sowohl das Fahrpersonal als auch der Fahrzeughalter Verantwortung für die Sicherheit des Fahrzeugs. Die jeweiligen Pflichten unterscheiden sich jedoch.
Die Pflichten des Fahrpersonals
Das Fahrpersonal steht morgens als Erstes am LKW. Daher ist es für die direkte Durchführung der Abfahrtskontrolle verantwortlich. Seine Aufgabe ist es, den Rundgang gewissenhaft zu absolvieren, die Funktionen zu testen und Mängel sofort zu melden. Wenn eine gravierende Störung auffällt, bleibt der LKW auf dem Hof, denn mit einem nicht verkehrssicheren Fahrzeug darf nicht gefahren werden.
Die Pflichten der Halter- und Fuhrparkleitung
Allerdings lässt sich die Verantwortung für die Sicherheit des Fahrzeugs nicht vollständig auf das Fahrpersonal übertragen. Der Halter muss dafür sorgen, dass das Fahrzeug den geltenden Vorschriften entspricht. Auch klare Abläufe für die Abfahrtskontrolle, geeignete Checklisten und die Unterweisung des Fahrpersonals können dazu beitragen, Mängel frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Wer die Inbetriebnahme eines Fahrzeugs trotz bekannter sicherheitsrelevanter Mängel anordnet oder zulässt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Wie lange dauert die LKW-Abfahrtskontrolle?
Auf dem Papier klingt all dies gut, doch wie lässt sich diese Kontrolle in den Transportalltag integrieren? Und wie lange dauert die Abfahrtskontrolle beim LKW?
Wie viel Zeit sollte für die Prüfung eingeplant werden?
Wie lange eine fachgerechte Abfahrtskontrolle dauert, lässt sich nicht pauschal festlegen. Der erforderliche Zeitaufwand hängt unter anderem vom Fahrzeug, vom Aufbau und vom Umfang der notwendigen Prüfungen ab. Ein einfacher Verteiler-LKW lässt sich in der Regel schneller überprüfen als ein Sattelzug mit Spezialaufbau. Bei Regen, Dunkelheit oder Vereisung kann die Kontrolle deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Sorgfalt geht bei der LKW-Abfahrtskontrolle vor Schnelligkeit
Entscheidend ist nicht, die Abfahrtskontrolle innerhalb einer bestimmten Minutenzahl abzuschließen, sondern alle erforderlichen Prüfpunkte gewissenhaft zu kontrollieren. Dazu können je nach Fahrzeug unter anderem Reifen, Flüssigkeitsstände, Beleuchtungssysteme, Anhängerkupplung und Ladungssicherung gehören. Für die Kontrolle sollte daher ausreichend Zeit eingeplant werden.
Arbeitszeit und digitale Fahrerkarte
Wichtig zu wissen ist, dass die Fahrzeugüberprüfung zur Arbeitszeit zählt und entsprechend als „andere Arbeiten“ aufgezeichnet werden muss. Sie darf nicht als Pause oder Ruhezeit erfasst werden. Bei Fahrzeugen mit digitalem Fahrtenschreiber sind die entsprechenden Tätigkeiten über die vorgesehenen Funktionen des Fahrtenschreibers zu dokumentieren. Eine Checkliste für die LKW-Abfahrtskontrolle hilft dabei, alle wichtigen Punkte systematisch durchzugehen.

LKW-Abfahrtskontrolle: Checkliste vor Fahrtantritt
Routinen sind hilfreich: Sie erleichtern einen systematischen Ablauf und können dazu beitragen, Veränderungen am Fahrzeug schneller zu erkennen. Wer die Kontrolle immer nach demselben Schema durchführt, reduziert das Risiko, einzelne Prüfpunkte zu vergessen. Vor allem zu Beginn und in Situationen mit Zeitdruck hilft es, sich anhand einer Checkliste für die Abfahrtskontrolle beim LKW zu orientieren:
Front, Beleuchtung und Sicht
Der Rundgang beginnt an der Front des Fahrzeugs, denn im Straßenverkehr sind zwei Dinge besonders wichtig: sehen und gesehen werden. Daher gilt es, Folgendes zu tun:
Prüfen Sie Hauptscheinwerfer, Fernlicht, Blinker, Warnblinker und Begrenzungsleuchten auf Funktion, Sauberkeit und Beschädigung.
Kontrollieren und säubern Sie Rückstrahler, Kennzeichenbeleuchtung und das Kennzeichen.
Untersuchen Sie Windschutzscheibe und Seitenscheiben auf Steinschläge, Risse und Verschmutzungen.
Prüfen Sie Außenspiegel, Weitwinkelspiegel und Kamera-Ersatzsysteme auf saubere Linsen, festen Sitz und richtige Einstellung.
Testen Sie die Scheibenwaschanlage, prüfen Sie Wischblätter und füllen Sie Wischwasser nach.
Kontrollieren Sie Anbauteile, Stoßfänger und Unterfahrschutz auf Schäden.
Reifen, Felgen und Fahrwerk
Schäden an Reifen können die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigen und zu Pannen führen. Deshalb ist hier eine besonders sorgfältige Kontrolle erforderlich. Dazu gehört:
Reifen auf Einschnitte, Beulen, eingedrungene Fremdkörper und Risse prüfen.
Mindestprofiltiefe kontrollieren.
Reifendruck mit einem Messgerät oder, sofern vorhanden, über das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) prüfen.
Den Zwischenraum von Zwillingsreifen von Steinen und anderen Fremdkörpern befreien.
Felgen auf Risse untersuchen und den festen Sitz aller Radmuttern prüfen.
Luftfederbälge, Blattfedern und Stoßdämpfer auf Beschädigungen und Dichtheit kontrollieren.
Bremsen, Lenkung und Betriebsflüssigkeiten
Bremsen, Lenkung und Betriebsflüssigkeiten gehören zu den zentralen Punkten der Abfahrtskontrolle.
Druckluftanlage aufbauen lassen und auf Dichtheit achten.
Warnleuchten und Druckanzeigen im Cockpit beobachten.
Bremsprobe beim Anrollen durchführen und die Feststellbremse testen.
Lenkungsspiel prüfen und auf ungewöhnliche Geräusche achten.
Unter das Fahrzeug schauen: Treten Öl, Kühlwasser, Kraftstoff oder AdBlue aus?
Flüssigkeitsstände von Motoröl, Kühlmittel und Hydrauliköl kontrollieren.
Fahrerkabine und Sicherheitseinrichtungen
Die Fahrerkabine ist Arbeitsplatz und Steuerzentrale zugleich.
Nach dem Einschalten der Zündung alle Kontrolllampen und Displaymeldungen prüfen.
Digitalen Tachographen prüfen und die jeweilige Tätigkeit korrekt erfassen.
Erforderliche Dokumente prüfen: Je nach Fahrt und Fahrzeug können dazu unter anderem Fahrzeugschein, Frachtdokumente, Führerschein und Fahrerqualifizierungsnachweis gehören.
Sicherheitsausstattung wie Warnweste, Warndreieck, Erste-Hilfe-Material und Unterlegkeile auf Vollständigkeit prüfen.
Sicherheitsgurt und Hupe auf Funktion testen.
Aufbau, Anhänger und Kupplung
Beim Zugverband muss die Verbindung sicher und fest sein.
Sattelkupplung oder Maulkupplung auf korrekte Verriegelung und Schmierung prüfen.
Druckluftschläuche und Elektrokabel auf festen Sitz, Beschädigungen und Scheuerstellen kontrollieren.
Stützwinden und Stützräder vollständig hochkurbeln und sichern.
Bordwände, Türen, Schlösser und Planen prüfen. Türen und Bordwände müssen sicher verschlossen, Planen ordnungsgemäß befestigt und Fahrzeugaufbauten im Winter frei von gefährlichen Eis- und Schneeansammlungen sein.
Unterfahrschutz und seitliche Schutzeinrichtungen prüfen.
Ladungssicherung und Zubehör
Bevor es losgeht, muss die Fracht ordnungsgemäß gesichert sein.
Lastverteilung beachten, um Achslastüberschreitungen zu vermeiden.
Spanngurte, Zurrketten und Antirutschmatten auf Beschädigungen prüfen.
Formschluss und Kraftschluss kontrollieren, Verriegelungen der Ladebordwand sichern.
Bei Gefahrgut (ADR) die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung und die Warntafeln prüfen.
Kühlaggregate auf Funktion prüfen und die richtige Temperatur einstellen.
Was ist bei festgestellten Mängeln zu tun?
Kontrolle ist gut, aber sie muss auch Konsequenzen haben. Wenn also Mängel festgestellt werden, muss schnell und korrekt gehandelt werden.
Handelt es sich um eine Kleinigkeit, wie beispielsweise eine verschmutzte Leuchte oder fehlendes Wischwasser, kann man das Problem in der Regel direkt vor Ort beheben. Bei sicherheitsrelevanten Defekten sieht das aber anders aus. Wenn beispielsweise die Druckluftleitung zischt, ein Reifen beschädigt ist oder die Feststellbremse nicht richtig funktioniert, darf die Fahrt nicht angetreten werden, wenn die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs beeinträchtigt ist. Stattdessen beendet man den Rundgang, dokumentiert alle Mängel umgehend und meldet sie an die Fuhrparkleitung oder die Werkstatt. Die Fahrt darf erst angetreten werden, wenn sicherheitsrelevante Mängel fachgerecht behoben wurden und das Fahrzeug wieder verkehrssicher ist. Wer hingegen trotz sicherheitsrelevanter Mängel weiterfährt, kann sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährden.
Welche Strafen drohen bei unterlassener Kontrolle?
Was aber, wenn man keine Abfahrtskontrolle durchführt? Wer vorgeschriebene Kontrollen unterlässt oder erkennbare Mängel ignoriert, muss je nach Verstoß mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Bei Straßenkontrollen durch die Polizei oder das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) können Verstöße festgestellt und entsprechend geahndet werden.
Welche Konsequenzen drohen, hängt von der Art und Schwere des jeweiligen Verstoßes ab. Je nach Sachverhalt können beispielsweise Bußgelder oder Punkte im Fahreignungsregister die Folge sein. Auch Fahrzeughalter können zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie die Inbetriebnahme eines nicht vorschriftsmäßigen Fahrzeugs anordnen oder zulassen.
Kommt es aufgrund eines technischen Mangels zu einem Unfall, können darüber hinaus weitere rechtliche und versicherungsrechtliche Folgen entstehen. Welche Konsequenzen im Einzelfall eintreten, hängt von den konkreten Umständen ab.
So verbessern Fuhrparks die Abfahrtskontrolle
Wie bereits erwähnt, wird eine umfassende Kontrolle in der Praxis durch Faktoren wie Zeitdruck, Sprachbarrieren oder eine unzureichende Checkliste erschwert. Doch als Unternehmer kann man präventiv handeln, früh gegensteuern und die Abläufe vereinfachen. Besonders der letzte Punkt lässt sich recht einfach umsetzen: Checklisten können erstellt und in verschiedenen Sprachen bereitgestellt werden. Sie helfen dem Fahrpersonal dabei, die einzelnen Prüfpunkte systematisch abzuarbeiten. Darüber hinaus können regelmäßige Schulungen dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung der Abfahrtskontrolle zu stärken und die Abläufe zu festigen.
Fuhrparkkosten und Fahrzeugdaten zentral im Blick behalten
Eine gründliche Abfahrtskontrolle trägt dazu bei, Sicherheitsrisiken zu reduzieren und ungeplante Ausfälle zu vermeiden. Sie kann damit auch die Verfügbarkeit der Fahrzeuge unterstützen. Um einen Fuhrpark langfristig erfolgreich zu steuern, braucht es neben der technischen Sicherheit auch einen Überblick über die anfallenden Betriebskosten.
Checklisten können dabei helfen, die Abfahrtskontrolle strukturiert durchzuführen. Für das Fuhrparkmanagement ist darüber hinaus eine zentrale Übersicht über relevante Kosten und Ausgaben wichtig. Wer beispielsweise den Kraftstoffverbrauch und die damit verbundenen Ausgaben im Blick behält, kann Kosten besser analysieren und entsprechend planen. Eine zentrale Verwaltung relevanter Daten und Dokumente kann zusätzlich den administrativen Aufwand reduzieren.


